Schwimmverein Ganderkesee 69 e.V.
Gegen Rechts


Bernd Peters bei Masters WM

Bernd Peters vom SV Ganderkesee startet seit 2010 bei Großereignissen und war gerade bei der Weltmeisterschaft im russischen Kasan

Als Bernd Peters in den Bus steigt, geht alles ganz schnell. Die Türen werden versiegelt, mit Detektoren wird das Fahrzeug kontrolliert. Danach setzt sich das Gefährt vorsichtig in Bewegung. „Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm gewesen“, erinnert sich Peters an den ersten Tag im russischen Kasan. Die beschriebene Szene spielte sich vor zwei Wochen während der Sch


Für den 61-Jährigen war es bereits die vierte WM-Teilnahme, doch das, was sich in Russland ereignete, hatte er so noch nie erlebt. Als der Bus die Strecke vom Athleten-Dorf zur Schwimm-Halle zurückgelegt hatte, nahmen die Ordner vor Ort die Ankömmlinge ganz genau unter die Lupe. Die Gepäckstücke wurden untersucht, und Peters durchquerte mit seinen Teamkollegen einen Ganzkörper-Scan. „Ich kam mir vor wie auf dem Flughafen“, berichtet der gebürtige Essener.

Schlagartig vergessen waren all diese Unannehmlichkeiten allerdings, als Bernd Peters zum ersten Mal die Schwimm-Halle in Kasan betrat. „Ich war überwältigt“, staunt der Ganderkeseer immer noch über die größte Wasser-Sportstätte der Welt. „Die Dimension und das Design sind unglaublich.“ Da verwundert es nicht, dass Peters die meiste Zeit der insgesamt sieben Tage in der Halle verbrachte – im Becken und auch als Zuschauer. Die gesammelten Eindrücke lassen den 61-Jährigen schwärmen. Das ganze Turnier sei einfach optimal gewesen, bis ins kleinste Detail hätten die Organisatoren alles bedacht. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Von den Schiedsgerichten bis hin zu den Medaillen, alles war sehr professionell“, sagt Peters.

Zwei Plaketten mitgebracht

Das hatte wohl auch damit zu tun, dass eine Woche zuvor die Profis an selber Stelle um WM-Medaillen geschwommen waren. Bernd Peters hat zwei Plaketten aus Kasan mitgebracht. Zwar nicht aus Gold, Silber oder Bronze, „aber die beiden sind schon echt schwer“, berichtet Peters und wippt die dunklen Scheiben in seiner Hand auf und ab. Diese verdiente er sich durch den siebten Platz über 200 Meter Freistil und den achten Rang über 200 Meter Rücken. „Selbst die Platzierungen vier bis zehn haben noch eine Medaille bekommen.“ Ansonsten war Peters, der zudem in zwei weiteren Disziplinen an den Start ging, aus sportlicher Sicht nicht zufrieden. „Aber aus meinem Team war das keiner. Wir hatten alle keine guten Zeiten. Vielleicht lag das auch an der Wetterumstellung“, erklärt der 61-Jährige.

In Kasan war es bereits um 4 Uhr morgens taghell. „Das war neben den harten und kleinen Betten der Grund dafür, dass wir alle nicht so gut geschlafen haben.“ Dafür fand Bernd Peters in Russland einige neue Freunde, zum Beispiel einen Südafrikaner und einen Mexikaner. „Es ist auch immer schön, alte Bekannte wiederzutreffen. Einige Schwimmer kenne ich noch von früheren Weltmeisterschaften“, erklärt er. Kein Wunder, ist der Ganderkeseer bei den internationalen Turnieren doch schon ein „alter Hase“, wie er selbst sagt.

Seit 2010 startet er bei solchen Großereignissen. „Ich bin den typischen Weg eines Masters-Schwimmers gegangen“, erläutert Peters. Vor 46 Jahren begann er damit, regelmäßig ins Becken zu steigen, allerdings nicht als Leistungsschwimmer, sondern als Wasserballer – und das überaus erfolgreich. Nachdem der Essener aus beruflichen Gründen nach Hamburg gezogen war, spielte er für den Verein Poseidon. „Als die Mannschaft dann in die Bundesliga aufgestiegen ist, habe ich aufgehört. Die Fahrten waren einfach zu weit“, erinnert sich der Sportler. „Dann kamen die Kinder.“ Um genau zu sein drei, und ihnen galt seine volle Aufmerksamkeit. Deshalb habe er zunächst ganz mit dem Sport aufgehört, sagt Peters.

Doch als die Kinder alt genug waren, wollte er wieder ins Wasser. „Nachdem ich dann 1991 nach Ganderkesee gezogen bin, musste ich feststellen, dass es hier gar kein Wasserball gibt“, berichtet der 61-Jährige. 2001 fing er daher beim SV Ganderkesee mit dem Schwimmen an, und seit fünf Jahren übt er im Verein das Amt des 2. Vorsitzenden aus. In der Schwimm-Halle am Heideweg trainiert er einmal pro Woche, vor Weltmeisterschaften sogar dreimal. „Zusätzlich gehe ich ins Fitnessstudio. In den vergangenen elf Jahren war ich, wenn es hoch kommt, nur einen Tag krank“, sagt Peters. „Das liegt am Sport.“

Ans Aufhören denkt er folglich überhaupt nicht. Schon jetzt blickt er mit Vorfreude auf kommende Schwimm-Turniere. Im Mai 2016 startet der Ganderkeseer bei der Europameisterschaft in London. „Ich hatte kurz überlegt, ob wir das Training dafür anziehen sollten. Aber für eine um eine Sekunde bessere Zeit lohnt sich der ganze Aufwand nicht“, sagt er. Nach der EM soll dann noch lange nicht Schluss sein. 2017 will Bernd Peters bei der WM in Budapest starten, doch er denkt auch schon weiter: „Am meisten freue ich mich auf Korea in vier Jahren.“

Autor: Weser-Kurier - KIM PATRICK PUHLMANN